Es wurde viel spekuliert im Vorfeld der Veröffentlichung des vermutlich letzten SAGA-Albums mit Michael Sadlers Beteiligung als Leadsinger.

Da ist es nun! 10.000 Days! Und es knallt rein...

Das Ergebnis ist wie erwartet Bombastrock mit eingängigen Vocals, fliegenden Synthieorgeln, wirbelnden Trommeln und fetzigen Riffs und als Überraschung endlich mal wieder ein längeres Instrumentalstück, welches begeistert.
Auf "10,000 Days" ziehen SAGA wieder einmal sämtliche Register ihres Könnens und beweisen wer nach wie vor die führende Band im Bereich des Melodic Progressive Rock ist oder müssen wir ab heute sagen war?

Bewusst haben sich SAGA gegen ein Konzeptwerk entschieden, auch wenn man es aufgrund des Titels hätte vermuten können. "Dieses Album war nie als übermäßig durchgeistigt gedacht", erklärt Sadler und fügt hinzu "Obwohl es einige Dinge gibt, über die man nachdenken sollte, ist es vor allem dazu da, den Zuhörer zu unterhalten!" und genau darauf gehen wir jetzt mit Genuss ein...

Hier ist es!!! Basta!!!

SAGA präsentieren auf diesem Meisterstück dermaßen gekonnt ihre typischen Erkennungsmerkmale (Keys-Gitarre, knackige Drums, gefällige Refrains, göttliche Vocals des Meisters seiner Zunft und wie immer Spielfreude), es könnte der Eindruck entstehen als wolle die SAGA niemals enden, leider sind wir eines besseren belehrt worden (Leadsänger Sadler verlässt bekanntlich SAGA zum Ende des Jahres nach beendeter gemeinsamen 10.000 Days Tour).
Die für SAGA zum Markenzeichen gewordenen ausgefeilten Keyboardpassagen treffen auf großartige Gitarrensoli und einer der besten Drummer tut sein Übriges zu diesem neuerlichen Wunderwerk hinzu. Mit Brian Doerner ("the animal") hat SAGA außerdem einen sehr druckvollen Drummer gefunden, ein wahrer Glücksfall für die Band sowie die immer noch zahlreiche treue Fangemeinde, ob alt oder jung, der gemeinsam mit Jim Crichton (Bass) hervorragende, nie langweilige Rhythmusarbeit leistet. Auf diesem Soundgrundgerüst thront die auch nach 30 Jahren noch immer wohlklingende Stimme Michael Sadlers, der mit Fug und Recht zu den besten Sängern auf diesem Planeten vermutlich im Universum gezählt werden kann.

Die Kräfteverhältnisse zwischen Gilmours Keys und Ian Crichtons Streitaxt sind harmonisch ausgeglichen, wovon man sich bei manchen Duellen zwischen den beiden überzeugen kann. Mr. Ian Crichton steuert wieder herrlich knackige Riffs und edle Soloeinlagen bei, ohne jedoch die Keyboards in den Hintergrund zu drängen wie dies leider schon bei mehreren Produktionen der Fall war.
Einziger Wermutstropfen dieser Produktion: es befinden sich lediglich ca. 50 Minuten Spielzeit und somit läppische 9 Songs auf dem Silberling wieder, für ein "Abschiedsalbum" zum Anlass des 30th Anniversary der Band einfach zu wenig. Die Erwartungshaltung der Fans dürfte aufgrund der mageren Ausbeute an Spielzeit höher sein.
Aber dieser Hinweis nur am Rande, denn er vermag und soll die neuerliche Scheibe in seiner Gesamtheit sowie Genialität nicht stören. "Es gibt ein paar Passagen auf dem Album, bei denen wir etwas Neues ausprobiert haben. Aber insgesamt ist es, denke ich, klassisch SAGA anno 2007", fasst Sadler kurz und knapp die Scheibe zusammen.

Also steigen wir ein in die SAGA-Welt Anno 2007:

Der Opener des neuen Albums 10.000 Days "Lifeline" ist ein wunderbarer Song, der keine Wünsche eines jeden ProgFans offen lässt.
Er bedient all jene, die gerne Gitarrenriffs, getragen von Keyboardklängen, hören.
Auch kommen all jene zum Zug, die längere, instrumentale Einstreuungen mögen.
Die durchweg gängige Melodie und der Text "all set and done" oder
"Last time? First time? Deja-Vu!" entpuppen sich als SAGAhaften Ohrwurm.
5:36 spielen Ian, Daryl, Jim, Brian und Sadler sich die Bälle zu, die aufgefangen und weiter gespielt werden. Wer genau zuhört, kann auch eine kurze Passage des Erfolgshits "Don't be Late" heraushören.
Sowohl der Anfang als auch das Ende des Songs wird auf eine sehr witzige Art von Keyboardplayer Daryl gestaltet.
"Lifeline", ein Opener, wie man ihn von SAGA kennt.

Danach folgt mit "Book of Lies" ein sehr groovender Song, der nach mehrmaligem Hören seine ganze Genialität entfaltet.
Sadlers Stimme trägt den Hörer kurz, prägnant und sehr ausdrucksstark durch das Lied.
Kurze Keyboard und Gitarrenspiele sind ebenso vertreten wie lange dominierende Instrumentalpassagen.
Brians Drums sind hier richtungweisend, kraftvoll dominierend, wie auch rhythmisch leise nur im Hintergrund.
SAGA bleiben ihrem Stil der vergangenen Jahre mit "Book of Lies" treu und beschert dem Zuhörer einen bombastischen Ohrenschmaus.
"Book of Lies", ein Schmankerl für Fans des Progressiven Rocks.

Auch bei diesem Lied besteht kein Zweifel mehr. Ich höre SAGA !
Bei dem Lied "Sideways" kommt jeder Hörer voll auf seine Kosten.
Gitarren- und Keybordbombast, gepaart mit der Michael Sadlers markanter Stimme, ergeben den gewohnt anspruchsvollen, melodiösen SAGA-Sound.
Auffällig sind die am Anfang, in der Mitte und am Ende platzierten Akkordeonklänge,
die an einen irischen Folksong erinnern.
"Sideways" spiegelt die ganze Vielfalt aus 30 Jahren genialer SAGA-Kompositionen wieder.

Bei "Can't see me now" kommt das komplette Repertoire von SAGA zu tragen.
Eine Mischung aus Michaels Gesang und die instrumentalen Passagen
die wieder einmal die Einzigartigkeit von Jim, Ian, Daryl und Brian zeigen, fügen sich nahtlos ineinander.
Das Lied wirkt wie zwei zusammengefügte Stücke.
Rockige Passagen wechseln sich mit gefühlvollen Elementen ab.
Dazwischen gibt es Einlagen von Ians absolut unverkennbaren Gitarrensolis.
Auch Brians dynamisches und fetziges Schlagzeug gibt dem Lied den nötigen Kick.

Nach "Conversation" vom SAGA-Klassiker "Worlds Apart" endlich wieder mal ein Instrumentaltitel von SAGA mit dem Titel "Corkentellis" (man darf gespannt sein, woraus sich dieser Titel ableiten lässt, wir konnten es nicht ergründen). Nicht ganz so eingängig, aber das Stück demonstriert eindrucksvoll die musikalische Klasse jedes einzelnen Bandmitglieds. Der Song beinhaltet, bis auf Michaels Stimme alles, was diese Band so einzigartig macht:
Treibende Drums, dominierende Keyboards immer wieder in genialem Zusammenspiel mit den Gitarren sowie überraschenden Tempowechseln.

"More than I deserve" - schon der Titel der Ballade ("Mehr als ich verdiene") lässt viel Raum für Interpretationen. Das Stück reiht sich nahtlos in die gefühlvolleren Songs der letzten Jahre ein, getragen von Michaels ausdrucksstarker Stimme. Dieser Song lässt sicherlich bei vielen wegen Michaels bevorstehendem Ausstieg Wehmut aufkommen. Es ist geradezu prädestiniert für ein Abschiedslied auf der Bühne, begleitet von Wunderkerzen über den Köpfen hüpfender Luftballons, Standing Ovations und einigen Tränen im Publikum.

Der folgende Song "Sound Advice" lehrt uns mal wieder, wie vielschichtig SAGA mit Frontman Sadler ist.
Ein unter die Haut gehender Song, überraschende Stimmlagen und höre und staune, ein Chor im Hintergrund?! Rhythmuswechsel und altbewährte, musikalische Ausflüge mit Gitarre und Keyboard sind hier wunderbar miteinander kombiniert. Jim Crichtons Bassgitarre untermauert das rockige Gefüge der Drums und Keyboards. Somit ist "Sound Advice" ein gefühlsmäßig kurzweiliger, spaßiger Song, der aber mit 5:17 eher zu den längeren SAGA-Tracks gezählt werden darf.

"10.000 Days", so der Titel des Albums und dieses Songs.
Eine schönere Melodie könnte man sich für einen Rückblick auf 10.000 Tage SAGA nicht wünschen. Man erinnert sich (so many faces, so many places as I try to remember all of their names), man hält innere Einkehr, bereut nichts und würde alles noch mal so machen (I do it all again, with no regrets).
Dies ist die Message dieses wundervoll gefühlsbetonten Liedes, Ians Akkustikgitarre ist das ganze Lied über präsent, er trägt die Band durch den Song, bis die Instrumente zum bombastischen Refrain einsetzen und der Song schließlich mit ganz leisen Klängen zum Innehalten auffordert.
"10.000 Days", so nennt sich dieser Song und er ist seines Namens mehr als würdig.

Hier ist der Titel Programm! "It Never End's" als "Ender" so ein Titel treibt einem echten SAGArian die Tränen in die Augen. Hier "treibt" Brian der Galaktische förmlich Ian und Daryl durch den Song. Die Ausnahmestimme Michael Sadler im Refrain wird immer wieder durch Ians Riffs unterlegt, Daryl und Ian bewerfen sich förmlich mit Noten! Michael singt den Song mit seinen Höhen und Tiefen in einer so unglaublichen Routine, als hätte er den Song schon seit 20 Jahren täglich im Bad beim duschen gesungen. Im Mittelteil gibt es eine wirklich schöne Instrumentalpassage beginnend mit Daryls flinken Fingern, übergehend in Ians Gitarre, bevor Brian wieder an Michael übergibt. Mit 6:10 eine angemessene Zeit, um den Song zu genießen!!! Und dann ist Schluss, man lechzt nach mehr von diesem Album, aber man findet keine weiteren Songs darauf.

Spätestens jetzt macht sich ein komisches Gefühl breit, welches in Wirklichkeit die ganze Zeit schon da war, als wir diese Review zum vorliegenden Album schrieben. Schluss aus vorbei??? Dass natürlich auch für SAGA wie für jede andere Band der Welt die Vergangenheit nicht mehr erreichbar sein wird, es wäre auch vermessen, dies von der Band nach einer so langen Zeit auf der großen Showbühne zu erwarten, dürfte aber auch damit zu tun haben, dass die Fans von damals auch nicht jünger werden und man vergangenes nicht einfach so zurückholen kann.
Wir sind uns sicher, dass SAGA-Fans der ersten Stunde dieses Album lieben werden und solche, die SAGA nach ihren ersten Outputs nicht mehr so toll fanden, sei empfohlen, sich mal wieder mit der Band auseinanderzusetzen, es könnte sein, dass ihr zwischenzeitlich etwas verpasst habt.
Möge den Jungs mit dieser Scheibe das gelingen, worauf sie in den mageren Jahren stets warten mussten: die Rückkehr in das Bewusstsein derer, die sich mit einem wohligen Schauer an "Wind Him Up" und "The Flyer"-Zeiten zurück erinnern. Das Potential dazu hat "10.000 Days" allemal.
Aber deswegen soll diese Scheibe kein Abschied voll Wehmut sein, sondern ein Album, das den Fans in erster Linie ebenso viel Freude macht, wie den Bandmitgliedern bei der Entstehung. "Das meiste war purer Spaß, aber ich muss zugeben, dass es ein seltsames Gefühl war, als ich den letzten Track einsang", gesteht der SAGA-Frontmann. "Ich schaute zu Jim Crichton und sagte: 'Das war's wohl'. Er antwortete: 'Ja, vermutlich.' dann war Schweigen." Spätestens beim lesen dieses kurzen Dialogs dürfte der Körper eines SAGA-Fans mit Gänsehaut überzogen sein, in der Hoffnung, dass es nicht das letzte Chapter der sympathischen Kanadier ist, haben wir die leise Hoffnung, dass die SAGA auch ohne Michael Sadler weitergeht. Die Zeit wird es zeigen!
bis dahin mit tränenden Augen und Haut von Gans...

See you on tour and the SAGA must go on!!!

Carmen, Thomas, Susanne, Stefan, Harald, Ingrid, Juergen, Siggi, Andrea
www.saga-forum.de

13 von 15 Punkten

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