‟10.000 Days‟ scheint zum beliebten Songtitel zu avancieren, nachdem bereits Tool ihr Erfolgsalbum so betitelt haben. Bei Saga steckt aber ein wichtiger Grund dahinter. 10.000 Tage entsprechen nach Adam Riese (aber ziemlich über den Daumen gepeilt) dem Zeitraum von 30 Jahren. So lange sind Saga schon eine Institution im Rock- und Progbusiness und so lange steht Frontman Michael Sadler schon im Scheinwerferlicht, seit 1978 das selbst betitelte Debutalbum erschien. Just zum Jubeljahr hat Sadler sich nun entschieden, der Band den Rücken zu kehren. Allerdings ohne den sonst üblichen Rosenkrieg, sondern mit einem Abschied auf Raten, der die Band nochmal tourmäßig durch die Regionen ihrer Karriere führt und ihn allerorten eine Abschiedsvorstellung geben lässt.
Was uns musikalisch erwartet, ist überraschenderweise nicht etwa das Alterswerk ergrauter Frührentner, sondern eine Scheibe, die so frisch und locker klingt wie Saga zu ihren Glanzzeiten anno 1981. Die historische Tour mit der Performance des „Worlds Apart‟-Albums hat deutliche Spuren hinterlassen.
Schon der Opener „Lifeline‟ bietet den typischen Saga-Sound in Reinkultur. Ein sehr starkes Gewicht liegt auf Gilmours fabelhaften Keyboardklängen und Ian Chrichtons Gitarrenspiel ist virtuos wie immer. Was dem Hörer aber gleich das berühmte Aha-Erlebnis beschert, ist ohne Frage Sadlers charismatische Stimme. Es wird schwierig sein, ohne ihn weiter zu machen.
Auch „Book Of Lies‟, „Can‛t You See Me Now?‟ und ‟Sideways‟ setzen die Tradition atmosphärisch dichter Progsongs fort, die sich durch die lange Karriere der Kanadier ziehen. Sogenannte „Chapters‟ sind aber nicht mehr dabei. Das Kapitel wurde mit dem gleichnamigen Live-Album endgültig abgeschlossen.
„Corkentellis‟ ist der einzige instrumentale Song des Albums. Und die Band zeigt in sieben Minuten eine hohe Vielseitigkeit, die allen Instrumenten Raum gibt und sogar Platz für ein kurzes Bass-Solo bietet. Schnelle Passagen wechseln mit ruhigen, und auch hymnische Abschnitte haben ihren Platz. Falls es ein Testlauf ist, um Sagas Funktionsfähigkeit als Instrumentalband zu testen, würde ich ihn mal als gelungen bezeichnen.
„More Than I Deserve‟ soll Sadlers Botschaft an Freunde, Fans und Kollegen darstellen. „Dies ist mein persönliches Dankeschön‟, sagt er selbst. Vielleicht etwas stark auf die Tränendrüse drückend, aber eines Abschiedsalbums würdig. Der Titelsong kurz vor Schluss hat für Sage ungewöhnlich akustischen Charakter, funktioniert aber als wunderschöne Ballade, die zur Live-Hymne der kommenden Tour werden könnte. „It Never Ends‟ gibt abschließend Hoffnung auf de Zukunft. Der letzte Song mit Sadler ist wieder einer jener Progsongs, für die ich Saga so mag und entlässt mich mit gutem Gefühl aus einem erstklassigen Studioalbum.
Schade, dass dieser Ausnahmesänger dem Musikbusiness verloren geht. Und die Floskel „man soll aufhören, wenn es am schönsten ist‟ kann mir in dem Fall gestohlen bleiben. Wenn es nach mir ginge, hätten Saga noch viele Jahre mit Sadler die Bühnen erobert. Man hört noch nicht, wie es weitergehen wird aber ich könnte mir vorstellen, dass Gilmour und Chrichton eine Lösung n der Schublade haben, die sie mit Rücksicht auf den jetzigen Mastermind erst Anfang 2008 präsentieren werden. Die Spannung steigt.
8/9

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